Zum Inhalt springen

Blog · Lipödem

Lipödem oder „nur" Übergewicht?

Zuletzt aktualisiert: . Inhalte werden regelmäßig auf den aktuellen Stand der Medizin geprüft.

„Sie müssten einfach mehr Sport machen und weniger essen." – diesen Satz höre ich von Patientinnen, die seit 10, 15, manchmal 25 Jahren mit zunehmenden Beinbeschwerden leben. Oft steckt mehr dahinter: ein bislang nicht erkanntes Lipödem. Hier finden Sie die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale – sachlich und ohne Verkaufsdruck.

Drei Bilder, drei verschiedene Erkrankungen

In meiner Sprechstunde grenze ich vor allem drei Bilder voneinander ab:

Adipositas (Übergewicht)

  • Verteilung des Fettgewebes: vergleichsweise gleichmäßig, häufig auch Bauch und Rumpf
  • Schmerzhaftigkeit: in der Regel nein
  • Reaktion auf Sport und Ernährung: ja, das Fett geht zurück
  • Familiäre Häufung: weniger spezifisch

Lipohypertrophie (vermehrtes Fett ohne Krankheitswert)

  • Vermehrtes Fett, oft an Beinen, aber schmerzfrei
  • Keine spontanen Blutergüsse
  • Stabil, schreitet nicht zwingend voran

Lipödem

  • Symmetrische Fettverteilungsstörung an Beinen, häufig auch Armen
  • Hände und Füße bleiben typischerweise schlank – deutliche „Stufe" am Knöchel
  • Druck- und Berührungsschmerzen sind charakteristisch
  • Blaue Flecken schon bei leichten Stößen
  • Spannungs- und Schweregefühl, besonders abends
  • Tritt häufig in Phasen hormoneller Umstellung auf (Pubertät, Schwangerschaft, Menopause)
  • Familiäre Häufung ist die Regel
  • Reaktion auf Diät und Sport: das Lipödem-Fett bleibt – Rumpf wird schlanker, Beine nicht

Die zweite Falle: das Lymphödem

Ein häufiger Verwechslungspartner ist das Lymphödem. Hier ist die Schwellung Folge eines gestörten Lymphabflusses, nicht eines vermehrten Fettgewebes. Typisch sind positives Stemmer-Zeichen (Hautfalte über den Zehen nicht abhebbar), häufig asymmetrische Ausprägung, oft sekundär nach Operationen oder Bestrahlung. Wichtig: Aus einem unbehandelten Lipödem kann sich über Jahre zusätzlich ein Lymphödem entwickeln (Lipo-Lymphödem).

Wie wir die Diagnose stellen

Die Lipödem-Diagnose ist eine klinische Diagnose – Gespräch, Untersuchung, Tastbefund. Es gibt keinen Bluttest und kein eindeutiges Bildgebungsverfahren. Dafür liefert die strukturierte Untersuchung beim Facharzt sehr verlässliche Ergebnisse. Ich nehme mir in meiner Praxis 45 bis 60 Minuten Zeit für ein Erstgespräch.

Was wir nicht tun

Wir versprechen Ihnen keine „Wunderfettabsaugung" und kein Idealgewicht innerhalb von drei Monaten. Wir sind eine medizinische Privatpraxis – die Lipödem-Behandlung zielt auf Beschwerdelinderung und Funktionsverbesserung, nicht auf ein Kosmetik-Versprechen.

Häufige Fragen

Hilft ein MRT bei der Lipödem-Diagnose?
In der Regel nein. Die Lipödem-Diagnose ist eine klinische Diagnose. Bildgebung kann begleitend hilfreich sein (z. B. Sonographie der Lymphgefäße), liefert aber keinen „Beweis".
Kann ich mit Sport ein Lipödem wegtrainieren?
Nein. Lipödem-Fett reagiert auf Diät und Sport kaum. Sport und Gewichtsregulation entlasten aber den Stoffwechsel, verbessern Lebensqualität und reduzieren häufig parallel bestehende Übergewichtsanteile.

Erstgespräch zum Lipödem

Fundierte Erstdiagnose oder Zweitmeinung.

Wir nehmen uns Zeit – 45 bis 60 Minuten für Sie.