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Blog · Therapie-Verfahren

Radiofrequenz vs. Laser –
was ist besser?

Zwei moderne Verfahren, eine ehrliche Einordnung – wo die Unterschiede liegen und wie wir gemeinsam entscheiden.

Zuletzt aktualisiert: . Inhalte werden regelmäßig auf den aktuellen Stand der Medizin geprüft.

Sobald jemand sich für eine moderne, minimalinvasive Krampfaderbehandlung interessiert, taucht die Frage auf: Radiofrequenz oder Laser? Beide Verfahren verschließen erkrankte Stammvenen von innen – ohne große Schnitte, ohne Vollnarkose, ambulant. Beide gelten als leitlinienkonform und sind in Deutschland etablierter Standard. Wo aber liegen die Unterschiede?

Das gemeinsame Prinzip

Beide Verfahren – Radiofrequenzablation (RFA) und endovenöser Laser (EVLT) – beruhen auf demselben Grundgedanken: Statt die erkrankte Vene operativ zu entfernen („Stripping"), wird sie an Ort und Stelle durch kontrollierte Wärme verschlossen. Über einen winzigen Einstich am Bein wird ein dünner Katheter in die Vene geführt. An der Katheterspitze entsteht Wärme, die die Veneninnenwand verödet und die Vene dauerhaft verschließt. Der Körper baut das verschlossene Gewebe über Monate ab.

Beide Eingriffe finden in örtlicher Betäubung statt (Tumeszenzanästhesie), dauern pro Bein 30–60 Minuten und sind ambulant – Sie gehen am selben Tag nach Hause.

Radiofrequenzablation (RFA)

  • Erzeugt Wärme durch hochfrequenten Wechselstrom an der Katheterspitze
  • Temperatur typischerweise 120 °C, kontrolliert über die Katheterelektronik
  • Behandelt segmentweise – jeder Abschnitt der Vene wird für eine definierte Zeit erhitzt
  • Bekannteste Systeme: ClosureFast, RFITT

Endovenöser Laser (EVLT)

  • Erzeugt Wärme durch konzentriertes Laserlicht aus einer Faserspitze
  • Temperatur höher als bei RFA, dafür kürzere Einwirkzeit pro Zentimeter
  • Verschiedene Wellenlängen verfügbar (810–1940 nm); modernere Laser arbeiten schonender mit höheren Wellenlängen
  • Wird ebenfalls über einen Katheter eingeführt und langsam zurückgezogen

Der direkte Vergleich

In großen Studien und Cochrane-Analysen schneiden beide Verfahren vergleichbar gut ab. Die Verschlussraten liegen in 5-Jahres-Studien bei rund 90 % bis 95 %. Beide haben in den Langzeitresultaten die klassische Stripping-Operation überholt – und das bei deutlich weniger Schmerzen, kürzerer Erholung und geringerem Komplikationsrisiko.

Unterschiede gibt es in den feinen Nuancen:

  • Postoperative Empfindung: Patientinnen und Patienten berichten nach RFA häufig über etwas weniger Druckgefühl und Hämatome.
  • Anatomische Flexibilität: Lasersysteme mit höheren Wellenlängen kommen mit anatomischen Besonderheiten teilweise gut zurecht.
  • Behandlungsdauer: Praktisch gleich.
  • Kosten: Beide Verfahren liegen in ähnlichen GOÄ-Bereichen.

Mit anderen Worten: Wer aufgrund einer fachärztlichen Indikation ein modernes minimalinvasives Verfahren erhält, ist mit beiden gut bedient. Der wichtigere Faktor ist die Erfahrung des Operateurs und die saubere Diagnostik vorab.

Wann wir was empfehlen

In meiner Praxis kommen beide Verfahren zum Einsatz, je nach Befund. Wir besprechen die Entscheidung in einem Erstgespräch mit Ultraschall – Anatomie, Beschwerden, Vorerkrankungen, Lebensumstände werden alle berücksichtigt. Wenn Sie eine ausgeprägte Stammveneninsuffizienz mit gerader Anatomie haben, wird die Wahl wahrscheinlich nicht entscheidend sein. Bei besonderen anatomischen Verhältnissen kann ein Verfahren leichte Vorteile haben.

Was beide Verfahren nicht ersetzen

  • Die Mini-Phlebektomie für größere Seitenastvarizen
  • Die Verödung (Sklerosierung) für Besenreiser und retikuläre Varizen
  • Die konservative Therapie (Kompression, Bewegung) bei zu kleinem Befund oder als Begleitbehandlung

Eine vollständige Krampfaderbehandlung kombiniert oft mehrere Verfahren in einem oder zwei Behandlungen.

Häufige Fragen

Welches Verfahren wird häufiger eingesetzt?
Beide Verfahren sind etabliert und in Deutschland weit verbreitet. Die genaue Wahl hängt von der Anatomie der Vene, dem Befund und der Erfahrung des Operateurs ab. Die Studienlage zeigt vergleichbare Langzeitergebnisse.
Ist eines der Verfahren weniger schmerzhaft?
In der Tendenz wird die Radiofrequenz von Patientinnen und Patienten unmittelbar nach dem Eingriff oft als etwas angenehmer empfunden – die Wärmeeinwirkung verläuft kontrollierter. Die Unterschiede sind aber individuell und meist gering.
Wer übernimmt die Kosten?
Bei medizinischer Indikation übernehmen private Krankenversicherungen die Kosten in der Regel weitgehend. Bei gesetzlich Versicherten ist die Kostenübernahme im Einzelfall zu prüfen. Wir besprechen das vor der Behandlung schriftlich.
Wie hoch ist die Verschlussrate nach fünf Jahren?
Sowohl RFA als auch EVLT erreichen in Studien Verschlussraten von rund 90 % bis 95 % nach fünf Jahren. Die klassische Stripping-Operation liegt darunter und ist seit Jahren in den Hintergrund gerückt.

Welches Verfahren passt zu Ihnen?

Erstgespräch mit Ultraschall.

Wir entscheiden gemeinsam – auf Basis Ihres Befunds, nicht nach Schema F.