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Blog · Thrombose

Reisethrombose vorbeugen: Was wirklich hilft.

Zuletzt aktualisiert: . Inhalte werden regelmäßig auf den aktuellen Stand der Medizin geprüft.

Jedes Frühjahr stellen mir Patientinnen und Patienten dieselbe Frage: „Brauche ich für den Sommerurlaub Kompressionsstrümpfe? Oder sogar eine Spritze?" Eine einfache Pauschalantwort gibt es nicht – aber eine vernünftige Strategie. Hier ist sie.

Warum lange Reisen das Risiko erhöhen

Bei langem Sitzen verlangsamt sich der venöse Rückfluss aus den Beinen. Druck der Sitzkante in den Kniekehlen, Bewegungsmangel, niedrige Luftfeuchtigkeit im Flugzeug und ein geringes Trinkverhalten kommen hinzu. Bei vorhandenen Risikofaktoren kann dies eine Gerinnselbildung in den tiefen Beinvenen begünstigen.

Ihr persönliches Risiko – das entscheidet

Pauschale Empfehlungen sind schlechte Empfehlungen. Wichtige Risikofaktoren:

  • Frühere tiefe Beinvenenthrombose oder Lungenembolie
  • Bekannte Gerinnungsstörung (z. B. Faktor-V-Leiden)
  • Schwangerschaft oder Wochenbett
  • Hormonelle Verhütung oder Hormonersatztherapie
  • Übergewicht (BMI > 30)
  • Aktive Krebserkrankung oder Chemotherapie
  • Frische Operation, insbesondere an Hüfte, Knie oder Bauch (letzte 4 – 6 Wochen)
  • Bekannte ausgeprägte Krampfadern
  • Höheres Lebensalter

Was wirklich hilft – und was nicht

Das ist sinnvoll für alle

  • Bewegung: Alle 1 – 2 Stunden aufstehen, im Gang umhergehen, Wadenpumpe aktivieren (Zehenspitzen-/Hackenstand).
  • Trinken: Ausreichend Wasser oder ungesüßter Tee. Auf größere Mengen Alkohol verzichten.
  • Lockere Kleidung: Nichts, was im Bauch oder in der Leiste einschneidet.

Bei mittlerem Risiko zusätzlich

  • Medizinische Reisestrümpfe (Klasse 1 oder 2, knielang reicht). Sie sind besser als ihr Ruf – und einer der wenigen Punkte mit guter Studienlage.

Bei hohem Risiko nach ärztlicher Beratung

  • Medikamentöse Thromboseprophylaxe (Heparinspritze) vor Reiseantritt – nur nach individueller Einschätzung. Das ist nicht der Regelfall.

Was Sie sich getrost sparen können

  • Eine prophylaktische Aspirin-Tablette „weil das ja nicht schaden kann" – die Studienlage dazu ist mau, und Aspirin hat Nebenwirkungen.
  • Beinmassage von hinten nach vorne ohne Ultraschall-Sicherheit, wenn Sie bereits Symptome einer Thrombose haben – das kann gefährlich sein.

Wann Sie nach der Reise zum Arzt sollten

Wenn ein Bein nach der Reise plötzlich anschwillt, schmerzt oder sich bläulich verfärbt – bitte nicht warten. Bei Atemnot, Brustschmerz oder Hustenreiz unmittelbar die 112 wählen, das kann eine Lungenembolie sein.

Häufige Fragen

Ab wie vielen Stunden Reisedauer wird es kritisch?
Generell steigt das Thromboserisiko deutlich ab etwa vier Stunden Reisedauer ohne Bewegung – egal ob im Flugzeug, Bus oder Auto. Wichtiger als die Stundenzahl ist Ihr persönliches Risikoprofil.
Brauche ich vor jedem Flug Kompressionsstrümpfe?
Nein. Bei Niedrig-Risiko genügen Bewegung im Flugzeug und ausreichend Trinken. Bei mittlerem oder hohem Risiko – etwa frühere Thrombose, Schwangerschaft, hormonelle Verhütung, frische Operation, Tumorerkrankung – ist Reisekompression sinnvoll.

Reisetauglichkeits-Check

Vor der Fernreise unsicher?

Ein kurzer Termin reicht für eine fundierte Einschätzung.