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Venenentzündung: Symptome, Behandlung und was dahinterstecken kann.
Die oberflächliche Venenentzündung ist unangenehm, aber meist gut zu behandeln. Unterschätzen sollte man sie trotzdem nicht: In jedem vierten Fall ist das tiefe Venensystem beteiligt.
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Ein roter, harter Strang am Unterschenkel, der bei Berührung schmerzt, meist genau dort, wo ohnehin eine Krampfader verläuft. So zeigt sich eine oberflächliche Venenentzündung, fachlich Thrombophlebitis. Lange galt sie als harmlose Bagatelle. Heute weiß man, dass das nur zum Teil stimmt.
Was bei einer Venenentzündung passiert
In einer Vene direkt unter der Haut bildet sich ein kleines Blutgerinnsel, und die Venenwand entzündet sich. Beides gehört zusammen, deshalb der Fachbegriff Thrombophlebitis. Am häufigsten passiert das in Krampfadern, weil das Blut dort langsam fließt und sich leicht staut. Ärzte sprechen dann von einer Varikophlebitis. Andere Auslöser sind Infusionen und Venenkatheter, ein Stoß oder eine Verletzung. Selten steckt eine Gerinnungsstörung oder eine andere Grunderkrankung dahinter, vor allem wenn die Entzündung in gesunden Venen und an wechselnden Stellen auftritt.
Die Symptome
- Ein tastbarer, verhärteter Strang entlang der Vene, oft mehrere Zentimeter lang.
- Eine streifige Rötung genau über dem Strang, die Haut ist warm.
- Druckschmerz und ein Spannungsgefühl, das beim Stehen zunimmt.
- Eine leichte Schwellung nur um die Vene herum, nicht am ganzen Bein.
Fieber gehört nicht zum Bild, höchstens eine leicht erhöhte Temperatur. Die akute Phase dauert ein bis drei Wochen. Der harte Strang und eine bräunliche Verfärbung können Monate bleiben, das ist normal und kein Zeichen für eine fortdauernde Entzündung.
Warum die Venenentzündung trotzdem ernst zu nehmen ist
Das oberflächliche und das tiefe Venensystem sind an vielen Stellen verbunden: in der Leiste, in der Kniekehle und über zahlreiche Verbindungsvenen am Unterschenkel. Über diese Wege kann ein Gerinnsel aus einer oberflächlichen Vene in die tiefen Venen wachsen. Große Untersuchungen haben gezeigt, dass bei etwa jeder vierten Venenentzündung zugleich eine tiefe Thrombose besteht, oft ohne dass man es dem Bein ansieht. Besonders kritisch ist eine Entzündung der großen Rosenvene an der Oberschenkelinnenseite, wenn sie sich der Leiste nähert.
Deshalb lautet die Empfehlung der Fachgesellschaften heute: Jede Venenentzündung gehört in den Ultraschall. Dort wird gemessen, wie lang das Gerinnsel ist und wie weit es von der Einmündung ins tiefe System entfernt liegt. Von diesen beiden Zahlen hängt die Behandlung ab. Woran Sie eine tiefe Thrombose erkennen, steht im Ratgeber Thrombose im Bein erkennen.
Die Behandlung
Grundlage ist bei jeder Venenentzündung die Kompression mit Strumpf oder Verband, dazu Bewegung statt Bettruhe. Gegen Schmerz und Entzündung helfen kühlende Umschläge und entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen oder Diclofenac, als Gel oder Tablette. Damit kommen kurze, weit vom tiefen System entfernte Entzündungen meist aus.
Ist der Strang länger als etwa fünf Zentimeter oder liegt er näher als drei Zentimeter an der Leiste oder Kniekehle, empfehlen die Leitlinien zusätzlich eine Blutverdünnung über rund sechs Wochen, mit einer Spritze unter die Haut oder in Tablettenform. Hat das Gerinnsel das tiefe System schon erreicht, wird wie bei einer Thrombose behandelt, also mindestens drei Monate. Bei einem prallen, sehr schmerzhaften Gerinnsel kann ein kleiner Stich in örtlicher Betäubung helfen: Das Gerinnsel wird herausgedrückt, und der Schmerz lässt sofort nach. Antibiotika sind nur nötig, wenn tatsächlich Bakterien im Spiel sind, was selten ist.
Nach der Entzündung: die Krampfader behandeln
Wer eine Venenentzündung in einer Krampfader hatte, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder eine, solange die Krampfader bleibt. Die Ursache ist fast immer eine undichte Stammvene, die das Blut in die Seitenäste zurückdrückt. Sechs bis zwölf Wochen nach dem Abklingen der Entzündung lohnt deshalb ein zweiter Blick im Ultraschall. Die undichte Stammvene lässt sich heute ambulant und in örtlicher Betäubung verschließen, mit Venenkleber oder Laser, die entzündet gewesenen Seitenäste werden über winzige Stiche entfernt. Wie das abläuft, steht auf der Seite zur Krampfadern-Behandlung.
Die Entzündung selbst ist übrigens kein Grund, die Behandlung ewig aufzuschieben. Nach einer Varikophlebitis zu behandeln ist eher ein Argument dafür, nicht dagegen.
Wann Sie sofort zum Arzt sollten
Wenn das ganze Bein anschwillt, wenn die Wade schmerzt, wenn sich die Rötung innerhalb von Stunden ausbreitet oder wenn Fieber dazukommt, warten Sie nicht auf den nächsten Praxistag. Bei Atemnot oder Brustschmerz wählen Sie den Notruf 112. Für alles andere vereinbaren Sie kurzfristig einen Termin in unserer Praxis in Nürnberg oder in Erlangen. Rufen Sie an, wenn es dringend ist.
Häufige Fragen
- Wie lange dauert eine Venenentzündung?
- Die akute Entzündung mit Rötung und Schmerz klingt meist innerhalb von ein bis drei Wochen ab. Der verhärtete Strang und eine bräunliche Verfärbung der Haut können deutlich länger bleiben, manchmal Monate. Das ist kein Zeichen dafür, dass die Entzündung noch aktiv ist.
- Darf ich mit einer Venenentzündung Sport machen?
- Gehen und leichte Bewegung sind ausdrücklich erwünscht, sie halten das Blut in Fluss. Auf Sport mit Stößen und Belastung, etwa Joggen oder Krafttraining für die Beine, sollten Sie verzichten, bis die Entzündung abgeklungen ist. Schonen im Sinne von Liegen ist dagegen falsch.
- Hilft Heparinsalbe bei einer Venenentzündung?
- Sie kühlt und lindert den Schmerz etwas, mehr aber nicht. Heparin dringt aus der Salbe kaum in die Vene ein. Entzündungshemmende Tabletten oder Gele wirken gegen den Schmerz besser, und bei größeren Gerinnseln ersetzt nur eine Spritze oder Tablette zur Blutverdünnung die Salbe.
- Kann eine Venenentzündung ohne Krampfadern entstehen?
- Ja, zum Beispiel nach einer Infusion, einer Blutabnahme oder einer Verletzung. Tritt eine Venenentzündung ohne erkennbaren Anlass in gesunden Venen auf, womöglich an wechselnden Stellen, muss nach einer Ursache gesucht werden, etwa einer Gerinnungsstörung oder einer anderen Grunderkrankung.
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