Blog · Thrombose
Thrombose im Bein erkennen: Symptome und erste Schritte.
Viele Thrombosen beginnen unauffällig. Welche Zeichen zählen, wie Sie eine Thrombose von einer Venenentzündung oder einer Zerrung unterscheiden, und was Sie bis zur Abklärung tun und lassen sollten.
Zuletzt aktualisiert: . Inhalte werden regelmäßig auf den aktuellen Stand der Medizin geprüft.
Ein Bein, das plötzlich dicker ist als das andere. Ein Ziehen in der Wade, das sich wie Muskelkater anfühlt, aber nicht vom Sport kommt. So beginnen viele Thrombosen, und etwa die Hälfte macht anfangs kaum Beschwerden. Deshalb lohnt es sich, die Zeichen zu kennen und im Zweifel lieber einmal zu viel abklären zu lassen als einmal zu wenig.
Was bei einer Thrombose passiert
Bei einer tiefen Beinvenenthrombose bildet sich ein Blutgerinnsel in einer der großen Venen zwischen den Muskeln, meist im Unterschenkel, in der Kniekehle oder im Oberschenkel. Das Gerinnsel verengt oder verschließt die Vene, das Blut staut sich, das Bein schwillt an. Die eigentliche Gefahr liegt woanders: Löst sich ein Teil des Gerinnsels, wandert er mit dem Blutstrom zur Lunge und verstopft dort ein Gefäß. Das ist die Lungenembolie.
Drei Dinge begünstigen ein Gerinnsel: langsamer Blutfluss (Bettruhe, Gips, lange Flüge, Krampfadern), eine veränderte Gerinnung (Pille, Schwangerschaft, Krebserkrankung, Veranlagung) und eine verletzte Gefäßwand (Operation, Unfall). Oft kommen zwei davon zusammen.
Die typischen Zeichen im Bein
- Schwellung auf einer Seite. Meist an Wade und Knöchel, manchmal am ganzen Bein. Im Vergleich zur anderen Seite sind es oft zwei, drei Zentimeter mehr Umfang.
- Schmerz. Ein Spannen, Ziehen oder Schweregefühl, stärker beim Auftreten und Gehen, besser im Liegen mit hochgelegtem Bein.
- Verfärbung. Die Haut wirkt bläulich oder rötlich, gespannt und glänzend.
- Wärme. Das betroffene Bein fühlt sich wärmer an als das gesunde.
- Hervortretende Venen. Oberflächliche Venen am Schienbein zeichnen sich stärker ab, weil das Blut Umwege sucht.
Selten sind alle Zeichen gleichzeitig da. Oft ist es nur eines, und manchmal gar keines. Tests zu Hause, etwa Druck auf die Wade oder das Anziehen der Fußspitze, sind unzuverlässig. Was Sie sinnvoll tun können: beide Waden an derselben Stelle messen und den Unterschied notieren. Die Entscheidung fällt aber im Ultraschall.
Thrombose oder Venenentzündung?
Die oberflächliche Venenentzündung wird häufig mit einer Thrombose verwechselt, und umgekehrt. Bei der Venenentzündung ist eine Vene direkt unter der Haut betroffen, meist eine Krampfader. Sie ist als harter, roter, druckschmerzhafter Strang zu tasten, die Rötung verläuft streifig entlang der Vene. Das ganze Bein schwillt dabei in der Regel nicht an.
Bei der tiefen Thrombose ist nichts zu tasten, weil die Vene zwischen den Muskeln liegt. Stattdessen ist das Bein insgesamt dicker, die Haut nicht streifig rot, sondern flächig bläulich und gespannt. Beides kann allerdings zusammen vorkommen: Eine Venenentzündung nahe der Leiste oder der Kniekehle kann auf das tiefe Venensystem übergreifen. Deshalb gehört auch eine Venenentzündung in den Ultraschall. Mehr dazu im Ratgeber Venenentzündung erkennen und behandeln.
Oder doch Zerrung, Baker-Zyste, Wundrose?
Drei Dinge sehen einer Thrombose zum Verwechseln ähnlich. Ein Muskelfaserriss in der Wade tritt plötzlich beim Sport auf, oft mit einem spürbaren Ruck und später einem Bluterguss. Eine geplatzte Baker-Zyste in der Kniekehle macht eine schmerzhafte Schwellung der Wade, die sich von einer Thrombose ohne Ultraschall nicht unterscheiden lässt. Die Wundrose ist eine bakterielle Hautinfektion mit scharf begrenzter, heißer Rötung und meist Fieber. In allen drei Fällen gilt: Die Abklärung ist dieselbe, und sie gehört nicht aufgeschoben.
Was Sie sofort tun sollten
- Noch heute abklären lassen. In der Praxis, beim Hausarzt oder außerhalb der Sprechzeiten beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
- Bei Atemnot, Brustschmerz, Herzrasen oder Schwindel den Notruf 112 wählen. Das sind Zeichen einer Lungenembolie, und dann zählt jede Minute.
- Das Bein in Ruhe lassen. Nicht massieren, nicht kräftig reiben, keine Wärme. Ein Gerinnsel soll sich nicht lösen.
- Hochlegen, aber nicht ins Bett. Strenge Bettruhe ist nach heutigem Wissen nicht nötig. Normales Gehen ist erlaubt, Sport nicht.
- Keine Schmerzmittel auf Verdacht. Ibuprofen oder ASS lindern vielleicht das Ziehen, ersetzen aber keine Behandlung und verschleiern die Beschwerden.
So läuft die Abklärung ab
Zuerst schätzen wir das Risiko anhand Ihrer Angaben ein: Beschwerden, Vorgeschichte, Operationen, Reisen, Medikamente. Bei geringem Risiko kann ein Bluttest auf D-Dimere eine Thrombose ausschließen. Ist der Wert erhöht oder das Risiko ohnehin hoch, folgt die Kompressionssonographie. Dabei drücken wir die Vene mit dem Schallkopf zusammen. Eine gesunde Vene lässt sich vollständig zusammendrücken, eine Vene mit Gerinnsel nicht. Die Untersuchung dauert etwa eine Viertelstunde und tut nicht weh.
Bestätigt sich die Thrombose, beginnt die Behandlung sofort: Blutverdünnung, heute meist mit Tabletten, über mindestens drei Monate, dazu ein Kompressionsstrumpf und die Anweisung, in Bewegung zu bleiben. Eine unkomplizierte Thrombose am Bein wird in der Regel ambulant behandelt, ein Krankenhausaufenthalt ist selten nötig. Anschließend suchen wir nach der Ursache, damit es nicht wieder passiert. Wie die Nachsorge aussieht und was ein postthrombotisches Syndrom ist, lesen Sie auf der Seite Venenthrombose. Die Abklärung bieten wir in Nürnberg und in unserer Praxis in Erlangen an.
Wer besonders aufpassen sollte
Das Risiko ist erhöht nach Operationen und bei Gipsverbänden, auf langen Reisen, in der Schwangerschaft und im Wochenbett, bei der Kombination aus Pille und Rauchen, bei Krebserkrankungen und bei einer früheren Thrombose in der eigenen oder in der Familiengeschichte. Krampfadern, Übergewicht und höheres Alter kommen dazu. Wer mehrere dieser Punkte auf sich vereint, sollte ein neues Ziehen in der Wade nicht abtun. Für Reisen finden Sie Tipps im Ratgeber Reisethrombose vorbeugen.
Häufige Fragen
- Kann eine Thrombose ohne Schwellung auftreten?
- Ja. Etwa die Hälfte aller tiefen Beinvenenthrombosen macht anfangs wenig oder gar keine Beschwerden, vor allem wenn das Gerinnsel klein ist oder in einer Unterschenkelvene sitzt. Manchmal ist ein Ziehen in der Wade das einzige Zeichen. Bei Risikofaktoren wie einer frischen Operation oder einer langen Reise sollte auch das abgeklärt werden.
- Wie schnell muss eine Thrombose behandelt werden?
- Noch am selben Tag. Je früher die Blutverdünnung beginnt, desto geringer ist das Risiko, dass sich ein Teil des Gerinnsels löst und in die Lunge wandert. Außerdem schützt eine frühe Behandlung die Venenklappen vor dauerhaften Schäden.
- Reicht ein Bluttest, um eine Thrombose auszuschließen?
- Der D-Dimer-Test ist nur in eine Richtung verlässlich: Ein unauffälliger Wert macht eine Thrombose bei geringem Risiko sehr unwahrscheinlich. Ein erhöhter Wert beweist aber nichts, er kommt auch bei Entzündungen, nach Operationen oder in der Schwangerschaft vor. Sicherheit gibt erst der Ultraschall.
- Darf ich mit Thromboseverdacht noch laufen?
- Normales Gehen ist erlaubt und schadet nicht. Was Sie vermeiden sollten: das Bein massieren, kräftig reiben, Wärme auflegen oder Sport treiben. Legen Sie das Bein hoch, wenn Sie sitzen, und lassen Sie sich zur Abklärung fahren, statt selbst lange zu laufen.
Thrombose-Abklärung
Einseitig dickes Bein? Nicht abwarten.
Ultraschall-Abklärung in Nürnberg und Erlangen. Bei akuten Beschwerden rufen Sie uns an: 0911 47770230.