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Blog · Venen und Lipödem

Dicke Beine: Lipödem, Lymphödem oder Wasser?

Fett, Lymphflüssigkeit oder Wasser: Dicke Beine sehen oft gleich aus, werden aber völlig unterschiedlich behandelt. So unterscheiden Sie die drei Ursachen, und so klären wir sie ab.

Zuletzt aktualisiert: . Inhalte werden regelmäßig auf den aktuellen Stand der Medizin geprüft.

„Ich habe einfach dicke Beine." Mit diesem Satz beginnen viele Gespräche in unserer Sprechstunde. Dahinter können drei ganz verschiedene Dinge stecken: krankhaft vermehrtes Fettgewebe, gestaute Lymphflüssigkeit oder Wasser, das aus den Venen ins Gewebe gedrückt wird. Von außen ähneln sie sich. In der Behandlung haben sie fast nichts gemeinsam. Deshalb lohnt sich der genaue Blick, bevor jemand zur nächsten Diät oder zur nächsten Entwässerungstablette greift.

Drei Ursachen, drei Mechanismen

Das Lipödem ist eine Störung der Fettverteilung, die praktisch nur Frauen betrifft. An Beinen, manchmal auch Armen, vermehrt sich das Unterhautfettgewebe symmetrisch, schmerzt bei Druck und reagiert kaum auf Diäten. Füße und Hände bleiben schlank, am Knöchel entsteht oft ein deutlicher Absatz, der sogenannte Kragen.

Beim Lymphödem staut sich eiweißreiche Flüssigkeit, weil die Lymphbahnen nicht genug abtransportieren. Das kann angeboren sein oder nach Operationen, Bestrahlung, Infektionen oder durch ein Lipödem entstehen. Typisch ist, dass der Fußrücken und die Zehen mitgeschwollen sind und dass das Ödem im Lauf der Zeit fest wird.

Das venöse Ödem, umgangssprachlich Wasser in den Beinen, entsteht, wenn der Druck in den Venen zu hoch ist. Meist steckt eine Venenschwäche mit undichten Klappen dahinter, seltener Herz, Nieren oder Medikamente. Das Wasser sammelt sich an Knöcheln und Unterschenkeln, abends am stärksten, nachts fließt es ab.

Die Unterschiede im Überblick

MerkmalLipödemLymphödemVenöses Ödem
VerteilungHüfte bis Knöchel, symmetrischoft einseitig oder ungleichbeidseitig, Knöchel und Unterschenkel
Füßeschlank, Kragen am Knöchelmitgeschwollen, Zehen kantigFußrücken oft mitgeschwollen
SchmerzDruck- und BerührungsschmerzSpannungsgefühl, wenig Schmerzschwere, müde Beine
Delle nach Daumendruckneinfrüh ja, später neinja
Tagesverlaufgleichbleibendgleichbleibend, langsam zunehmendabends stark, morgens weg
Blaue Fleckenhäufig, schon bei leichtem Stoßnicht typischnicht typisch
Stemmer-Zeichennegativpositivnegativ
Reaktion auf DiätOberkörper wird schlanker, Beine nichtkeinewenig, Salzverzicht hilft etwas

Zwei Tests für zu Hause

Der Daumentest: Drücken Sie zehn Sekunden fest auf die Schwellung oberhalb des Knöchels. Bleibt eine Delle, die sich langsam zurückbildet, ist Wasser im Gewebe. Bleibt keine Delle, handelt es sich eher um Fett oder um ein bereits verhärtetes Lymphödem.

Das Stemmer-Zeichen: Versuchen Sie, über der zweiten Zehe eine Hautfalte abzuheben. Lässt sich die Haut nicht oder nur verdickt anheben, ist das Zeichen positiv und spricht für ein Lymphödem. Beim Lipödem und beim venösen Ödem ist die Falte normal zu greifen. Beide Tests geben eine Richtung vor, mehr nicht. Die Diagnose stellt die Untersuchung.

Mischformen sind häufig

Im Lehrbuch stehen die drei Ursachen sauber nebeneinander, in der Sprechstunde nicht. Ein Lipödem belastet über Jahre die Lymphbahnen, und irgendwann schwellen auch die Füße: das Lipo-Lymphödem. Eine lange bestehende Venenschwäche überfordert ebenfalls das Lymphsystem: das Phlebo-Lymphödem. Übergewicht verschlechtert alle drei und ist oft zusätzlich da. Wer nur eine Komponente behandelt, wundert sich, warum die Beine dick bleiben. Wie sich Lipödem und Übergewicht trennen lassen, steht im Ratgeber Lipödem oder Übergewicht.

Wie die Abklärung abläuft

Zuerst die Geschichte: Seit wann sind die Beine dick, hat es mit Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahren begonnen, gab es Operationen oder eine Thrombose, welche Medikamente nehmen Sie, wie reagiert der Umfang auf Diäten. Dann die Untersuchung im Stehen und Liegen: Verteilung, Hautbild, Druckschmerz, Stemmer-Zeichen, Umfangsmessung. Der dritte Schritt ist der Ultraschall. Die farbcodierte Duplex-Sonographie zeigt, ob die Venenklappen dicht sind und die tiefen Venen frei. Im Gewebe selbst lässt sich erkennen, ob Flüssigkeit eingelagert ist und wie dick die Unterhaut ist. Nur selten braucht es weitere Untersuchungen wie eine Lymphszintigraphie.

Was dann jeweils hilft

Beim Lipödem ist die Grundlage eine Flachstrick-Kompression nach Maß, Bewegung und Gewichtskontrolle, in ausgewählten Fällen eine Liposuktion. Mehr auf der Seite Lipödem-Behandlung. Beim Lymphödem beginnt die Therapie mit Lymphdrainage und Bandagierung, danach erhält Kompression das Ergebnis, lebenslang. Details unter Lymphödem. Beim venösen Ödem hängt alles von der Ursache ab: Ist eine Stammvene undicht, lässt sie sich ambulant mit Venenkleber oder Laser verschließen, und das Wasser verschwindet oft von selbst. Sind Herz oder Nieren der Grund, behandelt der Internist. Wenn Sie unsicher sind, lesen Sie auch den Ratgeber Geschwollene Knöchel. Für die Abklärung vereinbaren Sie einen Termin in Nürnberg oder in unserer Praxis in Erlangen.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob meine dicken Beine vom Lipödem kommen?
Typisch sind symmetrisch verdickte Beine von der Hüfte bis zum Knöchel bei schlanken Füßen, Druckschmerz, schnelle blaue Flecken und ein Umfang, der auf Diäten nicht reagiert. Betroffen sind praktisch nur Frauen, oft seit Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahren. Sicher wird die Diagnose erst in der Untersuchung.
Wie unterscheide ich Lymphödem und Wasser in den Beinen?
Beim venösen Wasser bleibt nach Daumendruck eine Delle, die Schwellung ist abends stärker und morgens fast weg. Beim Lymphödem ist oft der Fußrücken mit geschwollen, die Zehen wirken kantig, über den Zehen lässt sich keine Hautfalte abheben, und die Schwellung bleibt auch nach der Nacht.
Können mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen?
Ja, das ist sogar häufig. Ein Lipödem kann ein Lymphödem nach sich ziehen, eine Venenschwäche ebenfalls, und Übergewicht verstärkt alle drei. Deshalb reicht ein Blick nicht, und deshalb gehört der Ultraschall zur Abklärung.
Welcher Arzt klärt dicke Beine ab?
Ein Phlebologe oder Gefäßchirurg, der auch Lymphologie und Lipödem kennt, kann alle drei Ursachen in einer Untersuchung auseinanderhalten. Bei Verdacht auf Herz oder Nieren als Grund kommt der Hausarzt oder Internist dazu.

Abklärung in einer Untersuchung

Fett, Lymphe oder Wasser?

Wir klären es mit Ultraschall beim ersten Termin. In Nürnberg und Erlangen.