Zum Inhalt springen

Fortbildung am 10., 11. und 17.11.2026: An diesen drei Tagen ist unsere Praxis geschlossen. In dringenden Fällen erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Doctolib

Blog · Wunden

Offenes Bein: Warum die Wunde nicht heilt, und was wirklich hilft.

Das Ulcus cruris ist eine der häufigsten chronischen Wunden. Einer der häufigsten Gründe, warum es nicht zugeht: Behandelt wird die Wunde, nicht ihre Ursache.

Zuletzt aktualisiert: . Inhalte werden regelmäßig auf den aktuellen Stand der Medizin geprüft.

Eine Wunde am Unterschenkel, die seit Wochen nicht zugeht. Ein Verband nach dem anderen, Salben, der Pflegedienst kommt dreimal die Woche, und trotzdem keine Besserung. Das „offene Bein", fachlich Ulcus cruris, gehört zu den häufigsten chronischen Wunden überhaupt, rund ein Prozent der Erwachsenen bekommt es im Laufe des Lebens. Und einer der häufigsten Gründe, warum es nicht heilt, ist erstaunlich einfach: Es wird die Wunde behandelt, aber nicht das, was sie offen hält.

Was ein Ulcus cruris ist

Als chronisch gilt eine Wunde am Unterschenkel, die nach sechs bis acht Wochen nicht abgeheilt ist. Dass sie nicht heilt, liegt fast nie an der Wunde selbst, sondern an der Versorgung des Gewebes darunter. Entweder staut sich das Blut, weil die Venen es nicht abtransportieren, oder es kommt zu wenig an, weil die Arterien verengt sind. In beiden Fällen fehlt der Haut, was sie zum Heilen braucht. Die Unterscheidung dieser beiden Ursachen ist der wichtigste Schritt der ganzen Behandlung, weil sie zu gegensätzlichen Maßnahmen führt.

Ursache 1: die Venen

Etwa sieben von zehn offenen Beinen sind venös bedingt. Dahinter steht eine lange bestehende Venenschwäche, oft nach einer Thrombose oder durch unbehandelte Krampfadern. Der Druck in den Venen bleibt dauerhaft hoch, Flüssigkeit und Blutbestandteile treten ins Gewebe aus. Die Haut am Unterschenkel verfärbt sich über Jahre bräunlich, wird dünn, glänzend und hart, manchmal juckt und nässt sie. Irgendwann reicht ein Stoß an der Bettkante oder ein Kratzen, und die Wunde ist da.

Das venöse Ulcus sitzt typischerweise oberhalb des Innenknöchels. Es ist flach, unregelmäßig begrenzt, nässt und ist eher wenig schmerzhaft. Hochlegen tut gut, langes Stehen verschlechtert. Die Vorzeichen stehen im Ratgeber Venenschwäche erkennen.

Ursache 2: die Arterien

Bei etwa jedem zehnten offenen Bein ist eine Durchblutungsstörung der Beinarterien die Ursache, die Schaufensterkrankheit in ihrem fortgeschrittenen Stadium. Verengte Arterien lassen zu wenig sauerstoffreiches Blut durch, das Gewebe stirbt an den am schlechtesten versorgten Stellen ab. Betroffen sind vor allem Raucher, Diabetiker und Menschen mit hohem Blutdruck oder hohen Blutfetten.

Das arterielle Ulcus sieht anders aus: Es sitzt eher am Außenknöchel, an Zehen, Ferse oder Schienbein, ist tief und wie ausgestanzt, der Wundgrund trocken, blass oder schwarz. Es schmerzt stark, besonders nachts im Liegen, und die Schmerzen lassen nach, wenn das Bein aus dem Bett hängt. Der Fuß ist kühl, die Pulse sind schwach oder nicht tastbar. Mehr dazu auf der Seite Schaufensterkrankheit (pAVK).

Mischformen und seltenere Ursachen

Bei etwa jedem zehnten Betroffenen liegen beide Probleme zugleich vor, das Ulcus mixtum. Beim diabetischen Fußsyndrom kommt eine Nervenschädigung hinzu, die Verletzungen unbemerkt lässt. Seltener stecken Gefäßentzündungen, Hauterkrankungen, Medikamente oder Druckstellen dahinter. Und eine Regel gilt immer: Eine Wunde, die trotz richtiger Behandlung nach drei Monaten nicht reagiert, wird mit einer Gewebeprobe untersucht, weil sich hinter einem vermeintlichen Ulcus auch ein Hauttumor verbergen kann.

Warum die Ursache zählt

Beim venösen Ulcus ist Kompression die wichtigste Maßnahme überhaupt. Beim arteriellen Ulcus ist dieselbe Kompression gefährlich, weil sie die restliche Durchblutung abdrückt. Beim venösen Ulcus heilt die Wunde feucht am besten, beim arteriellen mit trockener Nekrose muss sie trocken bleiben, bis die Durchblutung wiederhergestellt ist. Wer ohne Diagnose behandelt, hat also in jedem zehnten Fall das Falsche in der Hand.

Deshalb stehen vor jeder Wundbehandlung zwei Untersuchungen: die Messung des Knöchel-Arm-Index, die in zehn Minuten zeigt, ob die Arterien ausreichend Blut liefern, und die farbcodierte Duplex-Sonographie der Venen und Arterien. Beides ist Standard, beides wird im Alltag erstaunlich oft übersprungen.

Die Behandlung des venösen Ulcus

Erstens Kompression: in der Entstauungsphase ein Mehrlagenverband oder ein spezielles Ulkus-Strumpfsystem, konsequent jeden Tag. Zweitens die Wunde selbst: abgestorbenes Gewebe und Beläge werden entfernt, dann hält eine moderne Wundauflage, etwa Schaum, Alginat oder Hydrofaser, die Wunde feucht und sauber. Antibiotikasalben haben hier nichts verloren, der Wundrand wird vor dem Aufweichen geschützt. Drittens, und das wird am häufigsten vergessen: die undichte Vene verschließen. Eine große britische Studie hat gezeigt, dass der frühe Verschluss der Stammvene mit Venenkleber, Laser oder Verödung die Heilung beschleunigt und Rückfälle seltener macht. Der Eingriff ist auch bei offener Wunde möglich. Wie er abläuft, steht unter Krampfadern-Behandlung.

Dazu kommen Bewegung, damit die Wadenpumpe arbeitet, eine eiweißreiche Ernährung, konsequente Hautpflege und nach der Heilung ein Kompressionsstrumpf auf Dauer. Mit dieser Kombination schließen sich die meisten venösen Ulcera innerhalb von drei bis sechs Monaten. Ohne Kompression kommt die Wunde in den meisten Fällen wieder.

Die Behandlung des arteriellen Ulcus

Hier heilt nichts, solange nicht wieder genug Blut ankommt. Die Durchblutung wird in einer Gefäßklinik wiederhergestellt, mit Ballon und Stent über einen Katheter oder mit einem Bypass. Bis dahin bleibt die Wunde trocken und vor Druck geschützt, Rauchstopp und die Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten sind Teil der Behandlung. Unsere Aufgabe in der Praxis ist die Diagnostik, die Einordnung, die Vermittlung in die richtige Klinik und die begleitende Wundversorgung davor und danach. Was ein Gefäßchirurg in der Praxis leistet und was in die Klinik gehört, erklärt die Seite Gefäßchirurg in Nürnberg.

Wann Sie nicht länger warten sollten

Spätestens nach vier Wochen ohne Heilungstendenz gehört jede Wunde am Unterschenkel in gefäßmedizinische Abklärung. Sofort, wenn schwarze Stellen auftreten, wenn die Wunde riecht oder eitert, wenn Fieber dazukommt oder wenn starke Schmerzen in Ruhe bestehen. Und am besten schon vorher: Eine braune, harte, juckende Haut am Innenknöchel ist die Vorstufe des venösen Ulcus. Wer sie behandeln lässt, bekommt die Wunde oft gar nicht. Termine für die Abklärung gibt es in Nürnberg und in unserer Praxis in Erlangen.

Häufige Fragen

Heilt ein offenes Bein von selbst?
Selten. Eine Wunde, die nach sechs bis acht Wochen nicht geschlossen ist, hat einen Grund, der sie offen hält, meist ein Venen- oder Durchblutungsproblem. Solange dieser Grund bleibt, heilt die Wunde nicht oder bricht nach kurzer Zeit wieder auf. Mit Behandlung der Ursache schließen sich viele venöse Ulcera innerhalb von drei bis sechs Monaten.
Warum ist Kompression bei einem arteriellen Ulcus gefährlich?
Weil der Druck des Verbands die ohnehin schwache Durchblutung weiter abdrückt. Dann stirbt Gewebe ab, und die Wunde wird größer statt kleiner. Deshalb muss vor jeder Kompression die arterielle Durchblutung geprüft werden, mindestens mit der Messung des Knöchel-Arm-Index.
Kann eine Krampfaderbehandlung gemacht werden, solange die Wunde offen ist?
Ja, und das ist nach heutigem Wissen sogar sinnvoll. Studien zeigen, dass der frühe Verschluss der undichten Vene die Heilung beschleunigt und Rückfälle seltener macht. Der Eingriff mit Venenkleber oder Laser erfolgt über einen Einstich fern der Wunde, in örtlicher Betäubung.
Wer behandelt ein offenes Bein?
Hausarzt und Pflegedienst versorgen die Wunde im Alltag. Die Ursache klärt ein Gefäßchirurg oder Phlebologe mit Ultraschall und Durchblutungsmessung. Bei arterieller Ursache ist eine Gefäßklinik für die Wiederherstellung der Durchblutung zuständig. Idealerweise arbeiten alle zusammen.

Wundsprechstunde

Die Wunde heilt seit Wochen nicht?

Wir klären die Ursache mit Ultraschall und Durchblutungsmessung. In Nürnberg und Erlangen.